Wohnungslosen auf Dauer helfen

Caritas-Projekt in Fürth setzt auf längerfristige Betreuung
Weiterdenken – das ist offenbar in Fürth das Motto der Verantwortlichen, die sich um die Wohnungslosen kümmern. Weiterhelfen – das ist das Ergebnis ihrer Überlegungen. Deshalb startete jetzt in der Kleeblattstadt ein Projekt, das dazu beitragen soll, dass die Betreffenden nicht nur schnell untergebracht, sondern auf Dauer eine Bleibe und Heimat finden. „DaWoSi – Dauerhafte Wohnungssicherung“ ist das Motto, unter dem Caritas, Stadtverwaltung und Bayerisches Arbeitsministerium kooperieren.
Im abseits gelegenen Gewerbegebiet in der Oststraße steht die Übergangswohnanlage der Stadt. 80 bis 90 Menschen leben dort, die keine Wohnung mehr haben. Die meisten, so Christian Hoffmann, Geschäftsführer der Fürther Caritas, kommen nach einer Zwangsräumung hierher. „Tippelbrüder“ gebe es in Fürth kaum noch. Schon immer habe man sich bemüht, diesen Menschen bei der Suche nach einer neuen Mietwohnung zu helfen. Bei Erfolg sind die Betreffenden umgezogen – und standen oft nach einigen Monaten wieder vor der Tür in der Oststraße. Erneut Zwangsräumung. Manche lebten dort quasi in der dritten Generation.
Jetzt hat man daraus die Konsequenzen gezogen und zum 1. Juni eine Stelle geschaffen, mit der eine Nachbetreuung der Betroffenen sichergestellt werden soll. Auch in ihrer neuen Umgebung können sie sich helfen lassen, beim Führen eines Haushalts, bei Behördengängen, bei Suchtfragen. Ganz besonderes Augenmerk gilt der Kommunikation zwischen Vermieter und Mieter. Viele der ehemals Obdachlosen haben Probleme, ihr Geld zusammenzuhalten und rasch sind sie mit der Miete im Rückstand. Hier will DaWoSi eingreifen, damit per vernünftiger Finanzplanung eine erneute Zwangsräumung vermieden werden kann.
„Genau solch ein Angebot hat noch gefehlt“, freute sich Fürths Sozialreferentin Elisabeth Reichert bei einer Pressekonferenz über DaWoSi. Intensive Prävention sei notwendig. Amtsleiterin Michaela Vogelreuther begründet: „Die Leute müssen auf eigenen Beinen stehen.“ Das ist gar nicht so einfach, wie Sozialpädagogin und Projektmitarbeiterin Sandra Zintl erläutert. Mietschulden und Streitigkeiten kämen vor, aber manchmal spielten auch Sucht oder familiäre Probleme wie Trennung vom Partner eine große Rolle. Zweimal in der Woche steht sie für die offene Beratung in der Oststraße zu Verfügung. Aber schon jetzt ist ihr Klientenkreis so groß, dass sie ständig quer durch die Stadt unterwegs ist, eben um in der neuen Umgebung zu helfen. Bis jetzt seien ihre Erfahrungen besser als erwartet. Auch, was die Vermieter betreffe. Allerdings sei auch bei den Wohnungsbaugesellschaften der persönliche Kontakt unerlässlich, sonst müssten diese die Schufa fragen, und dort gebe es meist einen Negativeintrag über die Mieter. Auch private Vermieter zeigten sich sehr sozial, wenn sie nur erst den Eindruck gewönnen, dass sich jemand um ihre Problemmieter kümmert und Mietnachzahlungen oder Reparaturen geregelt würden.
Weil die Nachbetreuung ein Projekt darstellt, gibt der Freistaat knapp 25.000 Euro für dieses Jahr. Thomas Bergsch von der Wohnungsfürsorge ist voll des Lobes. Im April habe man mit dem Arbeitsministerium Vorgespräche für DaWoSi geführt und das Grüne Licht kam so schnell, dass man im Juni anfangen konnte. Dieses Tempo habe er noch nicht erlebt. Die Idee zum Projekt stammt vom Arbeitskreis Wohnungslosenhilfe, in dem die Stadt und die Wohlfahrtsverbände vertreten sind, und dieser kam mit dem Wunsch nach einer Nachbetreuung auf die Stadt zu.
Heuer zahlt der Staat 25.000 Euro, die Caritas übernimmt die Trägerschaft und die Sachkosten, die Stadt stellt das Büro. Und 2013? Da ist noch nichts sicher. Sandra Zintl steht 25 Stunden pro Woche zur Verfügung und „der Bedarf ist groß“. Christian Hoffmann versichert für die Caritas: „2013 geht es auf jeden Fall weiter.“ Vielleicht wird DaWoSi doch dauerhaft gesichert.