Soziales Engagement aus freien Stücken

Fürther Schüler schnuppern in Kindergärten und Seniorenheimen in die Berufswelt
FÜRTH - Zur Berufsorientierung konnten Schüler in Fürth bisher schon in technischen Bereichen Erfahrungen sammeln. Seit Schuljahrsbeginn ist dies auch in sozialen Einrichtungen möglich. Das Angebot des Caritasverbandes stößt auf große Resonanz.
Einmal in der Woche kommt die Achtklässlerin Nur Polat zu Besuch ins Seniorenheim St. Josef in der Benno-Mayer-Straße. Eine Begegnung, auf die sich die Hauptschülerin aus der Maistraße inzwischen ebenso freut, wie die hier lebenden alten Menschen. Manchmal bringt sie etwas zum Vorlesen mit – am liebsten Pferdegeschichten.
Langweilig wurde es der 15-Jährigen noch nie. Gerne spielt sie mit den 70 Jahre älteren Heimbewohnern eine Runde Mensch ärgere dich nicht oder lauscht ihren Erzählungen aus Lebenserinnerungen. Oft bleibt sie länger, als eigentlich vorgesehen. An Weihnachten und zur Fastnacht kam Nur Polat zusätzlich.
Zwei Wochenstunden ehrenamtlicher Einsatz sind in dem Freiwilligen Sozialen Schuljahr (FSSJ) vorgesehen. Dafür gibt es neben den praktischen Einblicken in die Berufswelt der Sozialarbeit ein Zeugnis, das später Türen zu Ausbildungsplätzen öffnen kann. Beteiligen können sich Schüler so genannter Vorabschlussklassen. Das sind Hauptschule 8. Klasse, Realschule 9. Klasse und Gymnasium 1. bis 12. Klasse.
Aus der Taufe gehoben wurde das Modellprojekt vor sieben Jahren schon vom Freiwilligenzentrum der Caritas in Neustadt /Aisch. Neben Kindergärten, Horten und Seniorenheimen bieten Einrichtungen für Behinderte, Kliniken, Vereine, Natur- und Tierschutz Einsatzmöglichkeiten.
In Fürth beteiligen sich aktuell 22 Jugendliche am FSSJ. Unter ihnen sind allerdings nur drei Jungen. »Ursprünglich war das Interesse bei den Jungs wesentlich größer, aber viele, die sich bereits angemeldet hatten, sind wieder abgesprungen», berichtet Projektleiterin Ute Böhm vom Caritasverband.
Einsteigen können die Jugendlichen freilich permanent. Die Sozialpädagogin bespricht mit ihnen, welche Einsatzstellen geeignet sind, besucht sie dort und unterstützt sie bei Fragen der Berufsorientierung, Bewerbung und Ausbildung. Finanziert wird das Projekt in Fürth von der Agentur für Arbeit und der Stadt Fürth. Schließlich bietet es eine vertiefte Berufsorientierung und Gelegenheit, wertvolle Erfahrungen außerhalb der Schule zu sammeln.
Inzwischen ist das FSSJ zu einem Selbstläufer geworden. Das beeindruckt auch Schulreferent Markus Braun und Veit Bronnenmeyer, der sich als Projektmanager im städtischen Schulreferat um den Übergang der Schüler in die Berufswelt kümmert. »Hier schaffen wir gute Grundlagen» sagt Bronnenmeyer. Gerade die soziale Qualifikation ist Braun besonders wichtig.
Konzentrierte sich die Berufsvorbereitung früher auf die Abschlussklassen, ermöglicht der größere Vorlauf nun besonnenere Entscheidungen. Für Nur Polat, die sich in einer Arbeitsgruppe der Maischule auch im Kindergarten engagiert, steht bereits fest, dass sie einmal im Friseurberuf tätig sein will.