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Häusliche Pflege darf nicht zum Luxusgut werden

Datum:
Veröffentlicht: 11.1.24
Von:
Claudia Banea

Entgelterhöhung ist notwendig, für manche Patienten aber ein Problem

Der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg begrüßt, dass die Entgelte für die Leistungen der Häuslichen Pflege rückwirkend seit 1. Oktober angehoben wurden. Dadurch ist die Schließung etlicher Caritas-Sozialstationen in Ober- und Mittelfranken vorerst abgewendet. Gleichzeitig weist der Verband darauf hin, dass auf die Pflegebedürftigen deutlich gestiegene Kosten zukommen. Dies könne dazu führen, dass sie Leistungen nicht mehr in Anspruch nehmen und sich ihr Gesundheitszustand dann verschlechtert. Die Caritas fordert daher, die Beträge für den Eigenanteil der Patienten auch in der Häuslichen Pflege zu begrenzen.

Gebühren steigen in zwei Stufen
Der Landes-Caritasverband konnte in Verhandlungen mit Kassen und Bezirken Entgelterhöhungen in zwei Stufen erreichen: Seit Oktober 2023 steigen die Gebühren für die Häusliche Krankenpflege um 16 %, für die Häusliche Pflegehilfe um 24 %. Ab März 2024 steigen sie für die Häusliche Krankenpflege um weitere 8 %, für die Häusliche Pflegehilfe um 9,28 %.Diözesan-Caritasdirektor Michael Endres begrüßt, dass die Erhöhungen der bestehenden Finanzierungslücke Rechnung tragen und jetzt eine solide Basis gegeben ist, das dringend erforderliche Angebot der häuslichen Pflege auch weiterhin flächendeckend zu sichern.

Allerdings erkennt Michael Endres erkennt auch die Gefahr, dass sich Patienten die teurer gewordenen ambulanten Dienste nicht mehr leisten können. Endres und die Vorstände der Caritasverbände in Ober- und Mittelfranken fordern daher staatliche Hilfen, um die Belastung der Pflegebedürftigen zu senken. Wie in der stationären bedürfe es auch in der häuslichen Pflege einer Begrenzung des Eigenanteils an den Kosten. „Die Pflegeversicherung, so wie wir sie jetzt haben, reicht nicht mehr“, so die Verantwortlichen der Caritas.

Attraktive Löhne in der Pflege sorgen für Qualität

Grundsätzlich ist ein ambulanter Pflegedienst darauf angewiesen, die laufenden Kosten für Personal und Sachmittel (z.B. Mieten und Kfz-Kosten) aus den Gebühren zu finanzieren, die er für seine Leistungen erhält. In den vergangenen Jahren deckten die von den Kostenträgern gewährten Gebührensteigerungen nicht die tatsächlichen Kostenentwicklungen in den Sozialstationen, so dass deren Finanzierungslücke immer größer wurde.

Pflegedienste, die zuvor noch auskömmlich betrieben werden konnten, seien 20023 in eine Schieflage geraten, berichtet auch Michael Bischoff, Vorstand beim Caritasverband für die Stadt und Landkreis Fürth. Grund dafür seien neben den gestiegenen Energiekosten auch die gestiegenen Lohnkosten: „Da wir gerade für unsere engagierten Pflegekräfte auch zukünftig ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen, haben wir die nächste Tariferhöhung ab 1.März 2024 schon vereinbart.“

Unter dem Dach des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg betreiben verschiedene Träger, vor allem Stadt- und Kreis-Caritasverbände, insgesamt 32 Sozialstationen und ambulante Pflegedienste. Rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – von der Pflegedienstleitung über Pflegefachkräfte, angelernte Pflegekräfte und Haushaltshilfen bis zu Auszubildenden – versorgen täglich im Durchschnitt 4.600 Pflegebedürftige. Zusätzlich führen die Fachkräfte jährlich ca. 13.600 Pflegeberatungsbesuche durch; sie sind die Voraussetzung dafür, dass Pflegebedürftige Pflegegeld in voller Höhe erhalten.