Caritas koordiniert Begegnung und Integration bei „für(th)einander“

Programm baut Brücken: „Es geht um Gemeinsamkeit“
„Es geht nicht darum, ob jemand Deutscher ist oder Flüchtling, sondern es geht um Gemeinsamkeit.“ Yasser Shkaki weiß, wovon er spricht. Als der junge Syrer nach Fürth kam, packte er kurzerhand Tischtennisschläger und Bälle ein und knüpfte an den Tischtennisplatten im Stadtpark und andernorts seine ersten Kontakte in der neuen Heimat.
Aus dem Hobby machte er mit Hilfe von Freiwilligenzentrum und Caritas inzwischen ein veritables Begegnungsangebot: Sechs Ehrenamtliche koordinieren Zusammenkünfte von rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einer Gemeinschaftsunterkunft. „Ehrenamtliche Projekte sind wichtig und machen Spaß“, freut sich Yasser Shkaki, der auch während der Corona-Zeit in die Parks ging, um an der Tischtennisplatte neue Menschen kennen zu lernen.
Geflüchtete werben auf Plakaten für ein gutes „für(th)einander“
Der junge Syrer ist einer von neun Geflüchteten, die Gesicht zeigen für die Neuauflage des Projekts „für(th)einander“. Mit der aktuellen Plakat- und Postkartenkampagne laden die Fürther Caritas und das Freiwilligenzentrum Einheimische und zugewanderte Menschen ein, einander zu begegnen und besser kennen zu lernen. Gleichzeitig bietet das Programm auch Migrant*innen die Gelegenheit, sich in ihrer neuen Umgebung freiwillig zu engagieren und Veranstaltungen, Kurse und Begegnungen aktiv mitzugestalten.
Die Idee, zugewanderte Menschen selbst zu zeigen und sprechen zu lassen, entstand aus dem Schreibprojekt, mit dem Heidi Glöckner seit vier Jahren in bislang drei Büchern Migranten um literarische Einblicke in ihre Welt bittet. Drehten sich anfangs viele Geschichten um die Fluchterlebnisse, so geht es im derzeit in Arbeit befindlichen Band um das Heimisch werden und Wurzeln schlagen. „Die Bücher sind wie ein Protokoll für die Integration der Autoren“, weiß Heidi Glöckner, die als studierte Pädagogin vor allem freut, „dass die meisten Kleinkinder, die unmittelbar nach der Flucht in der neuen Heimat geboren wurden, inzwischen schon perfekt Deutsch sprechen.“
Ein junger Geflüchteter habe sein Ziel ganz klar benannt: „Er will Kfz-Mechatroniker werden, um bald selbst Steuern zahlen zu können und diesem Land etwas zurück zu geben.“
Caritas: Zugewanderte bereichern Ehrenamts-Angebote
Ute Böttcher, stellvertretende Bereichsleiterin der Caritas, sieht „für(th)einander“ als wichtige Brücke zwischen Einheimischen und Zugewanderten: „Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe steht für uns die Teilhabe und Teilgabe der zugewanderten Menschen: Welche Geschichten bringen sie mit? Wie fühlen sie sich in Fürth? Wo sehen sie ihre beruflichen Perspektiven? Wie bringen sie sich in die Stadtgesellschaft mit ein? Antworten auf diese Fragen präsentieren wir z.B. auf Plakaten, die in der ganzen Stadt aufgehängt werden.“
Gerade deshalb ist die Fortführung von „für(th)einander“ dem Caritasverband ein Herzensanliegen, wie geschäftsführender Vorstand Michael Bischoff betont: „Wir sind seit jeher in der Flüchtlingsberatung und in der Ehrenamtsarbeit aktiv. Mit den fürtheinander-Veranstaltungen können wir Einheimische und Migranten in persönlichen Kontakt miteinander bringen und wir können ein Forum bieten, innerhalb dessen sich Menschen vorurteilsfrei mit ihrer Kultur und ihrer Biografie begegnen können.“
„für(th)einander“ als Impuls für Offenheit und Teilhabe
Bereits 2018/19 wurde die Veranstaltungsreihe „für(th)einander“ von verschiedenen Kooperationspartnern ins Leben gerufen. Der Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Fürth e.V. und das Freiwilligenzentrum Fürth haben die diesjährige Neuauflage federführend mit vielen freiwillig Engagierten organisiert.
Ute Zimmer, Leiterin des Freiwilligenzentrums, sieht es als fortwährende Aufgabe, Tendenzen der Abgrenzung das Bewusstsein entgegen zu setzen, „dass wir alle etwas davon haben, wenn unsere Umgebung bunt und vielfältig ist.“ Das Motto „für(th)einander“ steht für die Offenheit der Fürther Bürgerinnen und Bürger für mehr Miteinander und Teilhabe von Menschen mit Fluchthintergrund in unserer Stadt.
Kinofilme, Kochkurse, Musik und Aktionen
Los geht das neue Programm mit der aktuellen Postkarten- und Plakataktion, für die die Aktionsmacher noch Geschäftsinhaber mit freien Schaufenstern suchen. Gleichzeitig geht auch die Internetseite www.fuertheinander.deonline, über die man sich anmelden, aber auch eigene Ideen einbringen kann. Am Freitag, den 25.09.2020 von 14 bis 17 Uhr in der Neuen Mitte wird für(th)einander (nur bei trockenem Wetter) offiziell mit einer Street Gallery der Plakate gestartet, außerdem kann man Postkarten mitnehmen und Ballons in den Himmel steigen lassen.
Von Oktober 2020 bis März 2021 gibt es ein Sprachbistro und Kochkurse mit ehrenamtlichen Referent*innen aus Äthiopien, Afghanistan und Irak. Zu erleben sind Kinofilme („Für Sama“, „Taha muss gehen“, „Wajib“), Lesungen sowie ein Interkulturelles Musik- und Spielevent. Zur Einhaltung des Corona-Hygienekonzepts ist für die meisten Veranstaltungen eine Anmeldung nötig.