Bundesweiter Aktionstag gegen Glücksspielsucht - Hai frisst Zwerg

Bericht von der Beteiligung der Psychosozialen Beratungsstelle der Caritas in Fürth am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 25.09.2019
Ein Gartenzwerg liegt im aufgerissenen Maul eines Haifischs. Ein kleines Schild ragt zwischen den spitzen Zähnen heraus. „Das Glücksspiel frisst mich auf!“.
Darüber hängen in einem Anglernetz weitere Zwerge mit herausgehaltenen Schildern. „Futter für die Glücksspielindustrie“ und „Meine Angehörigen leiden unter meiner Glücksspielsucht“.
Diese Szenerie war am 25.09.2019 an verschiedenen Orten in Fürth zu beobachten. Herr Müller-Brendel und Herr Kagerer, zwei Sozialpädagogen der Suchtberatung der Caritas, haben auf eindrucksvolle Weise die Gefahren einer Glücksspielsucht inszeniert und darauf aufmerksam gemacht, dass die Gewinner im Spiel ums Glück letztlich nur die Glücksspielindustrie ist. Insbesondere das Glücksspiel im Internet erzielt zweistellige Zuwachsraten. Es ist ein Milliardenmarkt. Und in Deutschland gesetzlich kaum reguliert, also eigentlich illegal. Die Anbieter befinden sich zum Beispiel auf Malta oder Gibraltar. Auf über 700 deutschsprachigen Internetseiten hat man an 7 Tagen in der Woche 24 Stunden die Möglichkeit, Casinospiele zu spielen. Mit dem Smartphone in der Hosentasche ist der „Spiel- oder Wettautomat“ jederzeit griffbereit. „Zocken ist herrlich bequem-Ich gehe ins Netz“ wird zur Zwergen-Botschaft mit Risikopotenzial.
Einige Zwerge mit rosaroter Brille sitzen noch hoffnungsvoll auf einem rosafarbenen Klapprad und sind begeistert von der spannenden Unterhaltung des Glücksspiels. Willkommens-Boni, Geldgewinne und Jackpots sind natürlich äußerst motivierend. Geld verspricht Status, Einfluss und steigert den Selbstwert.
Problematisch wird es dann, wenn sich die Einsätze erhöhen, wenn versucht wird, Geldverluste durch gesteigertes Spielen auszugleichen, wenn finanzielle und soziale Verpflichtungen vernachlässigt werden und trotz daraus folgender Probleme weiter gespielt wird. Der Versuch des Verheimlichens und das Lügen über das Ausmaß der Problematik sind menschlich nachvollziehbar, führen jedoch zur Isolation und psychischen Belastungen. Letztlich führt die Sucht zu Schulden
Doch nicht nur Glücksspielerinnen und Glücksspieler leiden dann unter ihrem süchtigen Verhalten. Auch Angehörige sehen sich dem Teufelskreis aus Problemen, Hoffnung und Rückschlägen hilflos ausgeliefert. Fünf bis zehn Personen leiden unter dem Glücksspielverhalten eines süchtigen Spielers.
Dass das nicht so bleiben muss, sollte auch beim bundesweiten Aktionstag gegen die Glücksspielsucht aufgezeigt werden. Zwei Zwerge haben sich auf den Weg gemacht. „Ich will das Zocken aufhören-wie geht das?“ und „Hilfe bei Glücksspielproblemen gibt es hier in der Nähe“ verweisen auf die Suchtberatungsstelle der Caritas, einen Weg aus der Sucht zu finden. Die Berater zeigen Sofortmaßnahmen auf. Je nach Schweregrad der Problematik wird natürlich auch eine längere Begleitung bei den notwendigen Veränderungen angeboten. Auch Angehörige können sich an die Beratungsstelle wenden.
Die Beratung ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht.